Tutto Bene

 

Bayerisch-itaienische Amoritäten
 

                                  von Reinhard Seibold 

Der Wagner Bene war schon immer ein bisschen seltsam und verschroben. Vielleicht lag das auch daran, weil er noch nie aus seinem geliebten Bayern herauskam und er hier den Mittelpunkt der Welt sah. Aber seit ihn seine Vroni verlassen hat, sind nicht nur seine Ansichten noch extremer geworden, sondern er vernachlässigt nun auch seinen Garten, sein Haus und vor allem sich selbst.
Die Wirtin seines Stammwirtshauses, Anne, macht sich deshalb Sorgen um ihn. Wenn sich nicht bald etwas ändern würde, dann würde der Bene total verkommen.

Schließlich drängt sie die Stammtischfreunde des Wagner Bene, nämlich den Hias, den Fonse und den Barth zu einem verschworenen Plan: der Bene soll hinausgeschickt werden in die Welt und auf sich selbst gestellt sein, er brauche nämlich eine körperliche, eine geistige und eine soziale Herausforderung, nur so könne er wieder den richtigen Weg finden. Schließlich sei er ja schon 60 Jahre und da werde es allmählich Zeit.

Und so verhilft man ihm auf hinterfotzige Weise zu einer Busreise nach Italien. 

Schon im Bus ist Bene ein Sonderling, den die Mitreisenden nicht unbedingt gebraucht hätten. Aber bald stellt sich auch heraus, dass auch die anderen Italienfahrer so ihre Macken und dunklen Flecken haben. Da sind das Ehepaar Hilde und Werner: Werner mischt sich überall ungefragt eine, Hilde muss ihn immer bremsen, ist dabei aber offensichtlich selbst zur Spaß- und Lebensfreudebremse mutiert. Gunda gibt sich gegenüber ihrer Tochter Renate als Moralapostel und beobachtet während der ganzen Fahrt nur ein schmusendes Liebespärchen Als Renate Freundschaft mit dem Naturfreund Robert schließt, kommt bald heraus, dass Gunda es in ihrer Jugend auch nicht so sehr mit der Moral hatte.

Heidi ist die typische Deutsche, die sich über alles beschweren kann, ihr Mann Wolfgang kommt dabei selten zu Wort und obwohl Heidi viel und ein breites Bayerisch spricht, wird das zu ihrem Leidwesen von ihrem Sohn Paul völlig ignoriert. Er spricht fließend hochdeutsch.

Für Bene ist es zunächst nicht ganz einfach in Italien – zum einen weil er plötzlich einer ganz anderen Esskultur gegenübersteht und zum anderen, weil er kein Wort versteht.

Als er dann aber nicht nur mit dem kleinen Paul Freundschaft schließt, sondern auch mit der Italienerin Valentina, ändert sich zunächst einiges für ihn. Aber um so locker zu werden wie Jimmy, der in Italien ein Altrockerleben führt, ist es noch ein weiter Weg. Und Bene’s bayerische Verbundenheit sitzt so tief, dass sich schon bald ein Gewitter zusammenbraut. 

Ob er aus diesen Gewitterwolken wieder heil herauskommt, wird sich erst zu Hause an seinem 61. Geburtstag herausstellen.